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Markatus Polygone
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Ein Blick hinter die Kulissen der Pandemie:

Wie wirkt sich „The new normal“ auf unsere Arbeitswelt aus?

Zwei Menschen, drei Fragen. Und schlussendlich Antworten, die alle Unternehmen betreffen, welche im selben Zug auch Arbeitgeber sind: Wir haben Benjamin, unseren Experten für Unternehmenskultur, sowie Amelie, unsere Spezialistin für Employer Branding und Personalmarketing, nach den aktuellen Entwicklungen innerhalb der Arbeitswelt gefragt. Bereit für neue Erkenntnisse? Dann einfach weiterlesen.

Portraits Amelie de la Porte und Benjamin Keller

Flexible Arbeitsmodelle wie Gleitzeit, Teilzeit und die ein oder andere Homeoffice-Option kennen wir bereits. Wohin hat uns die Pandemie nun geführt? Und was wird sich in Bezug auf die Arbeitsgestaltung wahrscheinlich noch ändern?

Benny: Hybride Arbeitsmodelle – also planbare Arbeitsmodelle, die aus zwei oder mehreren Teilmodellen bestehen – sind bereits zur neuen Normalität geworden; ein Zurück wird es wahrscheinlich nicht mehr geben. Mehr denn je gilt nun, dass die Arbeit sich den Menschen anpassen soll und nicht umgekehrt. Unternehmen werden gut damit fahren, eine Hybrid-Work-Strategie zu definieren, bei der je nach Mitarbeiterbedürfnisse unterschiedliche Modelle möglich sind. Der Weg zum Erfolg ist hierbei, die eigenen MitarbeiterInnen zu fragen, was ihnen gut passt und wie sie gerne arbeiten würden. Dadurch wächst übrigens ganz nebenbei die Chance, auch in ländlichen Gegenden mehr gut ausgebildete und passende MitarbeiterInnen zu finden, auch wenn diese ihren Wohnort an einem anderen Fleck innerhalb Deutschlands haben.

Amelie: Ich sehe das genauso. Jeder Arbeitgeber wünscht sich MitarbeiterInnen, die zeitlich und räumlich flexibel sind. Durch die Pandemie müssen nun aber auch die Arbeitgeber selbst endlich mehr Flexibilität zeigen; das war längst überfällig. Ein Unternehmen sollte anerkennen, dass es Menschen beschäftigt, keine Roboter im Homo-Sapiens-Kostüm. Wir alle wollen arbeiten – aber manchmal verlangen die eigenen Lebensumstände eben nach verbesserten, flexiblen oder hybriden Arbeitsmodellen. Denkt man z. B. an alleinerziehende Elternteile, wird schnell klar, dass täglich 8-17 Uhr im Office nur schwer zu realisieren ist.

Wird es durch „The new normal“ schwieriger sein, einen passenden Arbeitgeber zu finden und ein Unternehmen, mit dem man sich wirklich identifizieren kann?

Amelie: Ich habe das Gefühl, dass sich die Spreu gerade vom Weizen trennt. Viele Arbeitgeber haben die Chance verpasst, die Krise eben nicht nur negativ zu sehen, sondern sie als Innovationstreiber zu nutzen. Im privaten Bereich war das ganz anders: Persönlichkeitsentwicklung, Online-Coaching, Lebenshilfe – all das boomt seit gut einem Jahr. Die Folge wird sein, dass sich Menschen weiterentwickelt haben, viele Arbeitgeber jedoch nicht, d. h. sie werden zunehmend als altbacken wahrgenommen werden und büßen an Attraktivität ein. Diejenigen Unternehmen, die ihre Weiterentwicklung vorangetrieben haben, haben also bei weitem bessere Karten auf dem Markt.

Benny: In Zeiten der weltweiten Veränderung ist es als Unternehmen wichtiger denn je, sein Inneres, seine Identität, den eigenen Charakter authentisch nach außen zu tragen. Nur so finden sich letztendlich diejenigen Menschen, die zum Unternehmen passen und dort auch wirklich arbeiten wollen. Als Unternehmen muss ich halten und vorleben, was ich verspreche, und das auch kommunizieren. Ansonsten drifte ich schnell in eine Scheinwelt ab, die nichts mehr mit dem realen Dasein und den vorhandenen Arbeitsweisen meines Unternehmens zu tun hat.

Thema Gesundheitsförderung: Wie bewahren wir uns zukünftig die langfristige Arbeitskraft aller Teammitglieder, auch in Branchen mit hohem Belastungslevel?

Benny: Vor dem Hintergrund neuer Arbeitsmodelle und sich schnell verändernden Rahmenbedingungen wächst auch die Verantwortung der Unternehmen, für die Gesundheit ihrer MitarbeiterInnen zu sorgen – sowohl körperlich als auch geistig. Dabei ist es sehr wichtig, auf individuelle Bedürfnisse einzugehen und jene Rahmenbedingungen zu schaffen, die für sie nötig sind, um einen guten Job zu machen. Darüber hinaus können Maßnahmen zur Förderung der mentalen Gesundheit, spezielle Resilienztrainings und Einzelcoachings sehr gut helfen, die Arbeitskraft langfristig zu erhalten.

Amelie: Stichwort Prävention: Noch immer scheuen sich viele Arbeitgeber vor der Erkenntnis, dass es sehr viel teurer ist, ausgebrannte und kranke Mitarbeiter immer und immer wieder zu ersetzen, anstatt dazu beizutragen, dass alle Teammitglieder leistungsfähig bleiben. Benjamin hat ja schon einige Maßnahmen, die dabei helfen können, angesprochen. Ich würde noch spezielle Führungstrainings als Präventionsmittel ergänzen, denn komplett ungeschulte oder unpassende Führungskräfte führen nicht selten auch zu chronischen Spannungen innerhalb des Unternehmens, die sich wiederum negativ auf die psychische und körperliche Verfassung der MitarbeiterInnen auswirken können.

Benjamin, Amelie – wir danken euch für eure Zeit und das sehr interessante Interview!